Die Herstellung der homöopathischen Arznei Causticum ist bis heute Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion.

Bei den meisten heutigen Herstellern gilt Kaliumhydrogensulfat (KHSO4) als Ausgangssubstanz. Doch wer Hahnemanns Originalvorschrift genau liest, erkennt: Es ging ihm nicht um die Gewinnung einer definierten chemischen Verbindung, sondern um die Abscheidung eines besonderen “kaustischen Prinzips” – einer Substanz, deren chemische Natur er selbst als “von der Chemie noch ungekannt” beschrieb.

Was entsteht bei Hahnemanns Herstellungsprozess wirklich?

Die Frage, was Causticum chemisch eigentlich ist, beschäftigte Homöopathen seit Anbeginn. Erst 2018 lieferten der Arzt Dr. Dirk Thomas Quak und der Chemiker Karl Heinz Jansen (Institut jaqu-invent, Fürstenfeldbruck) eine überzeugende Antwort.

Durch genauen Nachbau der historischen Apparatur konnten sie zeigen: Bei Hahnemanns Destillation entsteht primär Kalilauge (KOH), die bei über 200°C das Kalknatronglas des historischen Kolbens chemisch angreift und Kieselsäure herauslöst. Diese dampfphasengängige Kieselsäure verbindet sich mit Ammoniakgas, das durch Hitzehydrolyse der Schweineblasendichtung freigesetzt wird, zu Ammoniumhydrosilikat. Dieses kondensiert in der Vorlage und stellt das eigentliche Destillat dar.

Das bedeutet: Causticum nach Hahnemann ist im Wesentlichen ein Ammoniumsilikat – und kein reines KOH-Präparat, wie lange angenommen.

Zwei historische Bedingungen – heute nicht mehr reproduzierbar

Dieser Prozess hängt von zwei historischen Gegebenheiten ab, die mit modernen Labormitteln nicht mehr vorhanden sind:

Das Glas:

Hahnemanns Kolben bestanden aus Kalknatronglas (Weichglas), das alkaliempfindlich ist. Die heiße Kalilauge ätzt dieses Glas bei über 200 °C chemisch an und löst Kieselsäure heraus. Modernes Laborglas (Borosilikatglas – Pyrex, Duran – entwickelt erst 1887) ist laugenresistent: Aus ihm löst sich keine Kieselsäure, egal wie stark erhitzt wird.

Die Dichtung:

Die nasse Schweinsblase als organische Proteinquelle liefert bei Hitzeeinwirkung Ammoniakgas – den zweiten Baustein für das Ammoniumsilikat. Moderne Gummi- oder PTFE-Dichtungen enthalten keine Proteine und setzen daher kein Ammoniak frei.

Wer heute mit moderner Ausrüstung nach Hahnemanns Vorschrift destilliert, erhält entweder Wasser oder eine schwache Kalilauge – aber kein Original-Causticum.

Der Nachbau durch Remedia

Mag. Robert Müntz von Remedia Homöopathie hat sich eingehend mit diesen Forschungsergebnissen auseinandergesetzt und den Herstellungsprozess so originalgetreu wie möglich nachgestellt:

Ein eigens in einer Glasbläserei gefertigter Destillationsaufsatz aus Duranglas wird mit einer frischen Schweineblase abgedichtet. Dem Kolben werden zwei Scherben aus historischem Kalknatronglas beigegeben, um die chemischen Verhältnisse zu Hahnemanns Zeiten zu simulieren. Als Ausgangsstoffe dienen KHSO4 (Kaliumhydrogensulfat) und Ca(OH)2 (Löschkalk). Die Destillation wird in vier Fraktionen aufgefangen – die letzte entspricht der Beschreibung Hahnemanns und enthält die flüchtigen, farblosen Ammoniumsilikate.

Das Ergebnis: ein Destillat aus Ammoniumsilikat – jener Substanz, die Hahnemann als “kaustisches Prinzip” vor Augen hatte, und die mit keiner modernen Standardmethode herstellbar ist.

Das nach dieser Originalvorschrift hergestellte Causticum ist bei REMEDIA Homöopathie unter dem Namen Causticum Hahnemanni (Orig.) über den nachstehenden Link erhältlich:

Literatur: Jansen KH, Quak DT: “Die Entschluesselung des Causticumraetsels.” Homoeopathie KONKRET 1/2018, S. 20-23.