Letztes Jahr starteten wir eine Umfrage unter den ehemaligen Absolventen unserer Ausbildung, um herauszufinden, ob es Möglichkeiten gibt, den Anteil derer zu erhöhen, die tatsächlich den Sprung in die eigene, homöopathische Praxis wagen. Kernstück des auszufüllenden Fragebogens waren 13 verschiedene mögliche „Gründe, warum die/der Ausfüllende bisher keine eigene homöopathische Praxis gegründet hat“, wobei man fünf Antwortmöglichkeiten von „trifft überhaupt nicht zu“ bis „trifft voll und ganz zu“ zur Auswahl hatte.
Die Aussage, die insgesamt am meisten Zustimmung erhielt, war folgende:
„Ich würde gerne in homöopathischer Praxis arbeiten, aber nicht alleine, sondern in einer Praxisgemeinschaft.“
Auch die Aussage mit der zweitmeisten Zustimmung geht in eine ähnliche Richtung:
„Lieber Angestelltenverhältnis, weil mehr Sicherheit“.
Wenn es also relativ viele Homöopathen gibt, die eigentlich gerne in einer Praxis homöopathisch arbeiten möchten, aber nicht alleine, dann müsste man eigentlich nur eine Möglichkeit schaffen, dass die „Gemeinschafts-Suchenden“ zueinander finden können. – So dachten wir uns.
Um dieses „Zueinanderfinden“ zu ermöglichen, haben wir nun eine Vernetzungsplattform in Form eines „Schwarzen Bretts“ erstellt, die wir Ihnen kurz vorstellen möchten.
Die Benutzung der Plattform ist nicht als exklusives Angebot für ÄKH-Mitglieder gedacht, sondern für alle Homöopathinnen und Homöopathen – primär in Österreich, aber natürlich freuen wir uns, wenn die Plattform auch in Deutschland, der Schweiz oder in Südtirol benutzt wird. Je mehr sich hier treffen, desto besser. Deshalb wird auch sich auch die ÖGHM an der Vernetzungsplattform beteiligen und ihre Mitglieder dazu einladen.
In unserer oben erwähnten Umfrage („Gründe warum man nicht in eigener homöopathischer Praxis arbeitet“) ging Platz zwei ex aequo an:
„Gefühl, das kann ich nicht genug.“
Diesem Gefühl, das die allermeisten am Anfang haben, lässt sich wirksam entgegensteuern, indem man den Praxisalltag eines Homöopathen im Rahmen von Hospitationen bzw. Famulaturen kennenlernt. Falls Sie dies beabsichtigen, und falls keine Homöopathen in einer für Sie zumutbaren Entfernung auf unserer Plattform dies anbieten, ist es ratsam, in Eigeninitative den Kontakt zu niedergelassenen Homöopathen in der Nähe zu suchen. Denn auch für etablierte Praxisinhaber bieten sich mit der Aufnahme eines Famulanten/Hospitanten interessante Perspektiven: Nach dem unverbindlichen „Beschnuppern“ im Rahmen einer Famulatur/Hospitation wäre bei gutem Einverständnis eine mögliche, nächste Stufe der Zusammenarbeit eine Urlaubsvertretung, die für alle Beteiligten (Vertretungsarzt, Praxisinhaber und Patienten) Vorteile brächte. Im Idealfall kann dies am Ende in die Übernahme der Praxis durch den/die jungen Kollegen/in münden, womit wiederum allen Beteiligten (inkl. Patienten) gedient wäre.
Platz 4 der Umfrage ging an:
„Ich würde gerne in eigener Praxis arbeiten, aber habe Scheu davor, notwendige Schritte zur Patientenrekrutierung zu unternehmen, wie Vorträge, Vorstellung bei ärztlichen Kollegen und diversen Therapeuten.“
und Platz 5 an:
„Ich würde gerne in eigener Praxis arbeiten, aber weiß nicht, wie ich zu Patienten kommen soll.“
Deshalb haben wir vor mehreren Monaten einen Mitglieder-Newsletter über Patientenrekrutierung mit Unterstützung der Initiative “Homöopathie hilft” verschickt mit Hinweis auf den im Aufbau befindlichen „Vortrags-Pool“, der Nachwuchs-Homöopathen den Schritt zum ersten, eigenen Vortrag erleichtern soll.
Bei der Gründung einer Praxisgemeinschaft ist eine grundlegende Entscheidung die Frage, ob Sie „nebeneinander“, also jeder in seinem eigenen Raum, oder „nacheinander“, also zeitlich versetzt in einem gemeinsamen Raum, arbeiten möchten. Die Synergieeffekte wie gegenseitige Vertretung bei Urlaub oder Krankheit lassen sich bei beiden Varianten nutzen. „Nebeneinander-Nutzung“ ist naheliegend, wenn man die Homöopathie in absehbarer Zeit zu seinem Hauptberuf machen möchte. „Nacheinander- Nutzung“ ist für Einsteiger oft aus finanziellen Gründen attraktiver. Da man sich bei dieser Variante nicht zwangsweise sieht, ist die Vereinbarung fixer Treffen, z. B. beim gemeinsamen Mittagessen in der Praxis, ratsam – das beugt nicht nur Konflikten vor, sondern vor allem auch dem „Einzelkämpfer-Gefühl“ durch Stärkung des „Wir-Gefühls“.
Noch eine kurze Anmerkung zum Thema „Arbeitskreis/Qualitätszirkel“: Wenn einer der Teilnehmer eines Arbeitskreises bei der jeweiligen Landesärztekammer eine Ausbildung zum „Qualitätszirkel-Leiter“ absolviert, kann man den Arbeitskreis bei der ÄK als Qualitätszirkel registrieren lassen und dementsprechend für jedes Treffen DFP-Punkte buchen.